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„Gott ist immer schon da!“ Eine Studienreise nach Prag

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Was bedeutet es, Kirche zu sein, wenn sie gesellschaftlich kaum noch wahrgenommen wird? Wenn Religion im Alltag der allermeisten Menschen keine Rolle mehr spielt und die Gemeinden so klein sind, dass sie in der Statistik fast verschwinden? Mit diesen Fragen im Gepäck reisten im März 2026 insgesamt 19 Theologie- und Religionspädagogikstudierende aus Deutschland nach Prag. Die Studienreise des Gustav-Adolf-Werks (GAW) führte uns zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder (EKBB) – einer Kirche, die seit Jahrhunderten in der Diaspora und heute in einem der säkularsten Länder Europas lebt. Für mich persönlich war diese Reise weit mehr als eine organisatorische Begleitung; es war ein „Back to the Roots“. Ich selbst habe an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Karls-Universität in Prag studiert. Viele der besuchten Orte sind mir vertraut, und doch bot der Blick durch die Augen der jungen Studierenden eine völlig neue Perspektive auf das, was wir von unseren tschechischen Geschwiste...

Getragen vom Aufwind und die Perspektive aus dem All.

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Getragen vom Aufwind Aussichtspunkt in Ronda in Spanien, wo die Adler vorbeifliegen. Vor etwa zehn Jahren war ich mit dem Pfarrkonvent in Spanien unterwegs. Wir standen auf einem Felsen, hoch über der Landschaft, hinten das Meer und di Straße von Gibraltar. Der Wind ging kräftig, und unter uns fiel der Felsen so steil ab, dass man beim Hinuntersehen automatisch einen Schritt zurücktrat. Kennen Sie dieses Gefühl? Dieses leichte Kribbeln im Bauch, wenn man ganz oben steht und merkt, wie tief es nach unten geht? Und dann sah ich sie: Adler. Große, mächtige Vögel mit weit ausgebreiteten Flügeln. Sie glitten durch die Luft, ganz ruhig, fast schwerelos. Die Gegend rund um die Straße von Gibraltar ist einer der wichtigsten Vogelzugkorridore Europas. Millionen von Vögeln überqueren hier die Meerenge, darunter Schlangenadler und Gänsegeier mit einer Flügelspannweite von über zwei Metern. Sie kreisen über den Klippen, getragen von der warmen Luft, die vom Meer aufsteigt. Das Erstaunliche a...

Happy Birthday Friederike!

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Heute ist so ein Tag, für den ich jahrelang meinen Festnetzanschluss mit Europa-Flat hatte. Heute würde ich Friederike zum Geburtstag gratulieren – sie wäre 92 Jahre alt geworden. Ich würde ihr alles Gute wünschen. Sie würde sagen, dass sie schon zu alt ist und keine Lust mehr hat. Und dann würden wir uns Geschichten erzählen. Vom Alltag, von den Kindern, von den Nachbarn, von den Büchern, die wir gelesen haben, von Theologie, von Karl Barth oder von Ameisen und Schmetterlingen, die ihr Vater sammelte. Vielleicht würden wir kurz auf die Vergangenheit eingehen: „Weißt du noch, damals…?“ Friederike war seit 1983 ein wichtiger Teil meines Lebens. Sie war meine „Patin“. Keine Taufpatin, sondern eine Unterstützungspatin. Sie hatte mich von ihrer Mutter geerbt. Ich bin als Pfarrerstochter in der Tschechoslowakei groß geworden. Auch damals gab es Organisationen wie das GAW oder HEKS (in der Schweiz), die Christinnen und Christen hinter dem „Eisernen Vorhang“ unterstützen. Friederikes Mutt...

2024: Ein Jahr zwischen Abschied und Aufbruch

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Für mich und auch für diejenigen, die es interessiert, habe ich einen Rückblick auf das Jahr 2024 gemacht. Es war so ein dichtes Jahr, dass ich meine Fotos zur Hilfe nehmen musste, um überhaupt rekapitulieren zu können, was ich alles gemacht, gefühlt und gedacht habe.  Ich wurde von einer Freundin gefragt, warum ich es "Ein Jahr der Herausforderung und Abschieds" genannt habe. Nun, es gab viele Abschiede: meine Mama, die elterliche Wohnung, die Kinder sind aus dem Haus und auch ein weiteres Jahr meines Lebens. Trotzdem blicke ich in großer Dankbarkeit zurück und schaue mit Hoffnung und auch ein bisschen Sorge auf das kommende Jahr 2025. Wie wird es politisch und gesellschaftlich weiter gehen? Werden wir gesund bleiben und genug Kraft haben, um alle Aufgaben zu bewältigen? Ich lege das Jahr in Gottes Hand.  2024 startete mit großer Hoffnung, dass er besser wird als das letzte, in dem ich meine Tochter aus dem Kriegsgebiet (Israel) zurückholen musste , anschließend 6 Wochen am ...

Advent auf Kuba - Hoffnung im Dunkel

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„Stellen Sie sich vor, es ist Advent und niemand bemerkt es. Sie laufen durch die nächtlichen Straßen… es ist dunkel… keine Lichterbögen und keine Weihnachtspyramiden erhellen die Fenster. Nirgends erfüllt der Duft von frisch gebackenen Plätzchen die Wohnzimmer. Eine traurige Szenerie? Ich finde es sogar eine albtraumhafte Szene“, schreibt Pfarrer Nikolai Opifanti in seiner Kolumne im Evangelischen Gemeindeblatt zum 1. Advent.  Eine solche Szene ist auf Kuba bittere Realität – nicht nur in der Adventszeit. Stromausfälle gehören zum Alltag, Lebensmittel und Treibstoff sind knapp, und ein festlicher Advent scheint in weiter Ferne. Doch wie predigt man in einer solchen Zeit von Licht und Hoffnung? Wie lässt sich ein Glaube an einen liebenden Gott vermitteln, wenn das Licht am Ende des Tunnels fehlt?  Diese Fragen habe ich den Menschen auf Kuba gestellt. Ihre Antworten sind Geschichten von Resilienz, Kreativität und dem Glauben, dass Nichtstun keine Option ist. Ein Kindergarten au...

35 years ago

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Das Leben in der Tschechoslowakei vor 1989 war ein Leben ohne Freiheit. Wir konnten nicht frei sprechen, reisen oder glauben, woran wir wollten. Presse und Medien wurden kontrolliert, Worte zensiert, und „falsche“ Meinungen führten zu Verhören, Arbeitsplatzverlust oder Problemen für die Kinder in der Schule, ja, bei manchen sogar zur Inhaftierung. Bewegungsfreiheit? Nur mit Genehmigung. Religion? Geduldet, aber unter ständiger Beobachtung. Als Pfarrerskinder spürten wir das bei jedem Schritt. Das Telefon wurde abgehört, Besucher wurden überwacht, unser Vater wurde immer wieder aus dem Nichts zum Verhör abgeholt. Es gab Schikanen, Hindernisse bei der Schulauswahl und sehr viel Willkür. Wir wussten, dass über uns mehr bekannt war, als uns lieb war. Absurderweise schrieb mir gestern meine Cousine und wollte mir Informationen über Menschen geben, die unsere Eltern und unsere Familie bespitzelt hatten. Ich habe dankend abgelehnt. „Was bringt mir das, wenn ich weiß, wer mein Vertrauen missbr...

Ich habe den Herrn allezeit vor Augen.

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„Es war schrecklich, wir hatten große Angst. Ich dachte, das ist mein letzter Tag. Ich werde sterben.“ Diese Worte stammen von Marie, einer jungen Frau, die mir im Sommer in Armenien von ihrer Flucht aus Bergkarabach erzählte. Es war ziemlich genau vor einem Jahr, als Aserbaidschan das Gebiet Bergkarabach angegriffen hatte und die dort lebenden Armenier innerhalb von wenigen Tagen zur Flucht gezwungen hat. 120.000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen. Wir trafen eine Gruppe von Geflüchteten, die in Bergkarabach zur evangelischen Kirche gehörten und konnten mit einigen von ihnen sprechen. Unter anderem mit Marie, die weitererzählte. „Es gab Explosionen, die Häuser brannten, und wir wussten nicht, wie es weitergeht Es war ein großes Chaos. Und dann habe ich gebetet: „Du Gott wirst meine Seele nicht dem Tode lassen. Du tust mir kund den Weg zum Leben.“ Und ich spürte Gott ist bei mir.     Selbst jetzt, wenn ich ihnen von diesem Gespräch erzähle, bin ich tief berührt. Ein Ge...