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Digitale Gemeinschaft

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In letzter Zeit besuche ich sonntags ZOOM Gottesdienste bei Vanessa. Ich weiß immer noch nicht, wo Vanessa genau wohnt, aber sie macht berührende Gottesdienste. Wir kennen uns von einer Fortbildung und über Facebook. Ich bin gerne dabei. Sie predigt gut, hat wunderbare Musik am Start und es sind regelmäßig etwa 70 Menschen dabei. Ich schaue mir die kleinen Kacheln gerne an. Da sind junge und alte, auch richtig alte Menschen dabei. Auch kleine Kinder, Hunde und Katzen. Sie sitzen auf Stühlen und Sofas. Vanessa begrüßt beim Eintreten des digitalen Raums jeden und jede persönlich. Wir können  mitmachen und mitbeten. Ich fühle mich da wohl, obwohl ich niemanden kenne. Heute, am Sonntag Okuli war ich das erste mal in meiner neuen Gemeinde. Also in der Gemeinde, in der ich seit Kurzem wohne. Ich war ganz analog da. Letzte Woche bekam ich einen Willkommensbrief für Neuzugezogene mit ein paar persönlichen Worten der Pfarrerin. Und ich muss sagen, ich habe mich richtig gefreut. „Ok, da ge...

Nach Corona um halb sechs

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„Nach dem Krieg um halb sechs“ – so verabredet sich der brave Soldat Schwejk ( Švejk ) im gleichnamigen  Buch des tschechischen Schriftstellers Jaroslav Hašek mit seinen Freunden. Wann der Krieg vorbei sein wird, ist für Schwejk noch nicht absehbar. Doch aus diesem Satz ist Zuversicht zu spüren – auch dieser Albtraum wird eines Tages vorbei und eine Verabredung auf ein Bier im Gasthaus Kelch in Prag wieder möglich sein. »Was ist das, wonach ihr euch am meisten sehnt? Was wollt ihr als erstes tun, wenn alles wieder  möglich ist?« Das habe ich verschiedene Menschen in den sozialen Medien, aber auch persönlich gefragt. Die Antworten waren so vielfältig, wie die Menschen selbst:  Essen gehen, Musik machen, ins Theater gehen, im Biergarten sitzen und reisen, ein großes Fest mit vielen Freunden feiern, meine Patenkinder in Afrika besuchen. »Ens Kino hocka, Schwemma ganga, Häarla schneida lassa, ... ond wenn älle sicher send, täglich dr Sarah a Kussele geba!« Und: »Ich freue mic...

Für immer die große Schwester

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Sechs Jahre trennten uns seit der Geburt, sieben Jahre trennen uns seit dem Tod. Meine ältere Schwester hätte heute ihren 56. Geburtstag. Und ich denke immer noch mit einem stechenden Schmerz an die Todesanzeige, in der meine jüngere Schwester und ich erst ganz zum Schluss vorkamen. So nebenbei. Ich fühlte mich mit meiner Trauer nicht wahr- und ernstgenommen. Dabei tat es so unendlich weh.  Wir kannten uns mein Leben lang. Wir waren uns vertraut, wussten fast alles von- und übereinander. Das erste Bier, die erste Zigarette, die erste Liebe. Sie hat mich geprägt. Ich habe sie bewundert, manchmal nicht verstanden. Wir waren Verbündete und Konkurrentinnen zugleich. Sie war der empathischste Mensch, den ich kannte. Großartige Patin meiner Tochter. Sie konnte am besten Wunden versorgen und Pflaster kleben, Gutenachtgeschichten erzählen und Picknickkörbe packen, Pilze suchen und Experimente beim Kochen machen. Sie ging nachts ans Telefon und mischte Aromaöle gegen Kopfschmerzen. Unter de...

Meine Mutter hat Corona überlebt - ein Hoch auf die Klinikseelsorge

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Meine Mutter hat Corona überlebt. Es war knapp. Es war ein Wunder, sagte die behandelnde Ärztin im Prager Krankenhaus. Zwei Wochen wurde sie im Pflegeheim betreut und versorgt, bis die Sauerstoffsättigung so niedrig war, dass sie ins Krankenhaus musste. Zwei Wochen verbrachte sie auf der Intensivstation. Und wir bangten, tagelang: schafft sie es, schafft sie es nicht. Ich in Deutschland und meine jüngere Schwester in Griechenland. Auf der Intensivstation riefen wir mit einem schlechten Gewissen an. Das Pflegepersonal hat ohnehin schon genug zu tun. Wir waren wie abgeschnitten und fühlten uns hilflos. Stunden- und tagelang telefonierten wir miteinander und überlegten, was wir tun können. Drei Tage später: die Krankenhausseelsorge! Es hat ein bisschen zu lang gedauert dafür, dass ich Pfarrerin bin. Natürlich, wir rufen bei der Krankenhausseelsorge an. Ich kontaktierte mehrere Kollegen in Prag und schnell hatte ich die Mailadresse der katholischen Seelsorgerin. Ich schrieb ihr eine Mail: ...

Investiturpredigt zu Johannes 2

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Ein Sprichwort sagt: "Du hast nie eine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu machen."So ist es: Wenn man irgendwo neu anfängt, insbesondere in einem öffentlichen Amt, wenn man die erste Predigt im neuem Amt hält, dann schaut die Öffentlichkeit genau hin: Was sagt er oder sie und was macht er (oder sie) als Allererstes? Der Anfang hat oft was Zeichenhaftes, Programmatisches. Nein, es geht heute nicht um mich.Auch wenn es heute meine Antrittspredigt ist und Sie vielleicht tatsächlich neugierig sind, was sagt sie jetzt. Heute geht es um Jesus und eine Geschichte, die eine meiner liebsten ist. Aus Johannes 2 (Basisbibel) Am dritten Tag fand in Kana in Galiläa eine Hochzeit statt. Auch die Mutter von Jesus nahm daran teil. Jesus und seine Jünger waren ebenfalls zur Hochzeitsfeier eingeladen. Während des Festes ging der Wein aus. Da sagte die Mutter von Jesus zu ihm: „Sie haben keinen Wein mehr“ Jesus antwortete ihr: „Was willst du von mir Frau“ Meine Stunde ist noch nicht...

Die Fülle des Lebens

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Jetzt ist es offiziell. Ich bin investiert und eingesegnet für meinen neuen Job als Medienbeauftragte. Wie passend, dass ausgerechnet die Geschichte aus dem Johannesevangelium der Predigttext war - Das Weinwunder von Kana (Joh 2, 1-11). Das erste Zeichen Jesu - er geht auf eine Party und verwandelt Wasser in den Wein. Ich mag das Zeichenhafte daran - noch bevor er predigt, heilt oder fordert, feiert er die Fülle und das Leben. Wie schön. Der Investiturgottesdienst fand unter Corona-Bedingungen statt. Ein kleiner, aber feiner Kreis von Menschen, die mir wichtig sind. Und der Segen wird mich begleiten. Und was ist jetzt der Job einer Medienbeauftragten? "Eierlegende Wollmilchsau", so der Chefredakteur des Schwäbischen Tagblatts Dr. Stegert in seinem Grußwort. Und er hat ein wenig recht. Zu meinen Aufgaben gehört in der Prälatur Reutlingen die mediale Begleitung des Prälaten (Regionalbischof - einer von 4 in der württembergischen Landeskirche), im Kirchenbezirk Tübingen die Vern...