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Den Glauben online leben

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„ Corona hat der Digitalisierung einen  Schub gegeben.“ Das ist wohl der meistzitierte Satz zu Digitalisierung der vergangenen Jahre. Ich bin seit Jahren im digitalen Raum unterwegs und nehme auch in der Kirche diese Entwicklung wahr. PC im Pfarramt, Outlook oder digitales Archiv sind nicht mehr neu. Die Verwaltungsprozesse wurden weitgehend digitalisiert. Doch immer noch herrscht da und dort Skepsis. Ein Kollege hatte jahrelang seine Mails von der landeskirchlichen Adresse  elkw.de  auf eine andere umleiten lassen. Seine irrige Befürchtung: Der Oberkirchenrat könne andernfalls mitlesen. Aus der Sinnfrage „Wozu braucht man das?“ wurde eine Zeitfrage: „Wann soll ich das auch noch machen?“ Wie wichtig die digitale Technik und eine gute technische Ausstattung sind, ist gerade in den letzten zwei Jahren auch den analogsten Menschen klar geworden. Onlinesitzungen und hybride Synoden waren mit einem PC (mit Kamera und Mikrofon) und einem schnellen WLAN kein Problem mehr. Am Anf...

Jetzt ist die Zeit der Gnade

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Alles war so schön. Im Garten Eden. Überall Früchte und schattige Bäume, die vor der Hitze des Tages schützen. Frische Quellen, die den Schweiß des Tages abwaschen und den Durst löschen. Lamm und Wolf spielen zusammen, niemand bekriegt sich. Adam und Eva im Paradies. Alles war so schön. Der Urlaub in Hamburg. Sonne und die glänzende Elbphilharmonie. Die Schiffe fahren ganz friedlich in den Hafen hinein. Gutes Essen in einem feinen Restaurant. Was für Privileg, fast wie im Paradies.  Es erfüllt mich eine große Dankbarkeit für dieses wundervolle Leben in Freiheit und Frieden. Es ist alles da, alles im Überfluss. So ganz selbstverständlich. Jeden Morgen, jeden Abend und an jedem neuen Tag.   Was für ein Segen, was für eine Gnade. Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde im Korinth: „Als Mitarbeiter Gottes bitten wir euch: Sorgt dafür, dass die Gnade Gottes, die ihr empfangen habt, nicht ohne Wirkung bleibt. Denn Gott spricht: Zu der Zeit, als ich dir Gnade sche...

Versöhnung

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  Kintsugi – so heißt eine uralte japanische Technik, um zerbrochene Keramik zu reparieren. Die Bruchstellen werden nicht vertuscht, sondern in Feinstarbeit mit einem Kleber und mit Goldstaub behandelt. So werden sie sichtbar und durch das Gold wertvoll. Wenn Beziehungen zerbrechen, wenn Menschen sich verletzen, ist es schwer, die Bruchstücke wieder zusammen zu fügen. Manchmal sind die Fronten so verhärtet, dass nichts mehr geht und Scherben bleiben übrig. Geschehenes kann nicht rückgängig gemacht werden. Ich mag den Gedanken, dass Brüche sichtbar bleiben dürfen. Die eigenen und die fremden. Es braucht Größe sich verletzlich zu zeigen. Und es braucht Mut, die eigenen Fehler einzusehen. Versöhnung ist ein Geschenk. Sie geschieht, wenn wir es versuchen, aufeinander zuzugehen, einander gnädiger zu begegnen, sich selbst nicht so wichtig zu nehmen und einander mit Gottes liebevollen Augen anzusehen. In einem Lied singt Leonard Cohen: „There is a crack in everything. That's how t...

Die unheilige Heilige Familie

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  Lukas 2, 16 So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Jedes Jahr am Heiligabend stelle ich die alte Playmobil-Krippe meiner Kinder auf dem Fensterbrett auf. Maria in einem goldblauen Kleid und weißem Kopftuch, Josef in seiner Zimmermannskluft und zwischen ihnen eine kleine Krippe mit dem Baby. Ohne Windeln, mit Plastikstroh. Und sie sind alle dabei: die drei Weisen aus dem Morgenland mit Geschenken im Weihnachtspapier verpackt, Touristen mit Fotoapparaten, eine Ärztin und eine Hebamme mit Arztkoffern und einem Krankenwagen. Zwei Engel ganz in der Ecke und sogar ein Schneemann. Ein Ochs, ein Esel, zwei Schafe und ein Waschbär sind auch dabei. Und natürlich ein geschmückter Weihnachtsbaum. Der gehört dazu. Und Schnee. Die Hirten sind wohl noch völlig verstört irgendwo unterwegs von ihren Herden zu der Pappkartonkrippe und wiederholen die Worte der Engel: „Fürchtet euch nicht“. Über der ganzen Szenerie leuchtet ein roter Herrnhuter Ster...

Von der Kraft des Gebets

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  Meine Eltern haben für mich gebetet. Immer. Nicht nur, weil sie so fromm waren, sondern weil sie an die Kraft des Gebets glaubten. Und manchmal, wenn sie hilflos waren, blieb ihnen nichts anderes übrig, als zu beten. Das sagte mein Papa immer wieder. Ich glaube, dass mich ihre Gebete durch verschiedene schwere Zeiten und komplizierte Stationen meines Lebens durchgetragen haben. Das wusste ich damals noch nicht, aber heute bin ich immer mehr davon überzeugt. Es gab bei uns in der Familie kein Abschied ohne ein Gebet. Morgens vor der Schule, im Auto vor dem Losfahren, am Ende eines Besuchs. Es hat oft genervt, gleichzeitig tat es gut. Im Laufe der Jahre wurde es zu einem festen Ritual, so dass ich einmal, als mein Vater schon sehr gebrechlich und bei meinem Besuch weggenickt war, ohne ein Gebet gefahren bin. Von der nächsten Raststätte rief ich ihn an und bat ihn, mit mir zu beten. Das tat er und das konnte er einwandfrei bis zu seinem Tod. Die Kraft der Fürbitte und des Gebets...

Der ÖKT und der Kreis der Erwählten

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Ich war beim Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt – digital. Von zu Hause aus. Ich war gespannt, wie es nach den langen Monaten der Diskussion, ob und wie der Kirchentag stattfindet, dann tatsächlich wird. Für mich ganz praktisch, weil ich zwischendurch arbeiten musste. An Christi Himmelfahrt schaute ich den Eröffnungsgottesdienst im Fernsehen an. Fröhliche Moderation, großartiges Setting, einfache Sprache, berührende Predigt, ökumenische Vielfalt, etwas Weihrauch und ein sensationelles Wetter (ok, dafür können die Veranstalter:innen nichts). Und ich dachte, wow – erster digitaler Kirchentag und es fängt gut an.  Doch die Kritik ließ nicht lange auf sich warten: was man alles hätte aus dem Gottesdienst machen können, was für Chancen die Veranstalter:innen nicht genutzt haben, falsche Kameraführung, zu wenig Aktion und überhaupt… Am Samstag war ich bei Christina Brudereck's Bibelarbeit dabei. Gefunden auf Instagram. Ich war so sehr dabei, wie ich noch nie bei einem Kirchentag dab...

Ich will keine Schokolade - Muttertag

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"Ich will keine Schokolade, ich will lieber einen Mann..", so sang Trude Herr Anfang der 60er. Naja, ich will zwar keinen Mann, aber Schokolade will ich auch nicht und schon gar nicht zum Muttertag. Die Werbung, die gerade überall dazu auffordert zum Muttertag Pralinen und Blumen zu schenken, geht mir gehörig auf die Nerven. Nein, ich will keine Blumen, keine Schokolade zum Muttertag. Überhaupt, ich mag den Muttertag nicht. Er ist bei mir negativ konotiert. Als Kind im Sozialismus musste ich komische Gedichte auswendig lernen, um sie meiner Mutter vorzutragen. Als Mutter bekam ich später selbstgebastelte Geschenke, die ich irgendwann heimlich wieder entsorgte. Genau vor 13 Jahren am Muttertag vergaß ich die Aufführung meiner damals dreijährigen Tochter. Die Erzieherin rief mich an und ich sprintete in den Kindergarten. Dort erwartete mich ein trauriger, enttäuschter Blick meiner Jüngsten. Ihr Gedicht hatte sie schon längst aufgesagt. Nie werde ich diese Augen vergessen (sorry...