Posts

Pfingsten - Demut und Liebe. Und Heiliger Geist!

Bild
Demut und Liebe sind das wichtigste im Leben, sagte Pater Romanos. Denn ohne Liebe ist alles nichts. Es war vor ziemlich genau fünf Jahren. Mit einem Frauenkreis machten wir in meiner alten Gemeinde eine Reise nach Korfu. Und dort hatten wir eine außergewöhnliche Begegnung, die bei mir bis heute nachklingt. Wir waren 15 Frauen von der Schwäbischen Alb und trafen zwei griechisch- orthodoxe Mönche zu einem Mittagessen in einer Taverna. Wir waren Menschen verschiedener Konfessionen, verschiedener Lebensentwürfe, verschiedener Sprachen und doch war diese Begegnung in einem Geist, der kaum in Worte zu fassen, kaum zu beschreiben ist.  Pater Romanos, ein 75-jähriger Theologe erzählte über sein Leben. Sehr beeinflusst hat ihn der reformorientierte Patriarch Bartholomäos, das aktuelle Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Zehn Jahre verbrachte er auf dem Berg Athos, bevor er vor über 30 Jahren in das Bergkloster auf Korfu zog. Sein Begleiter und Glaubensbruder Pater Anastasios, der e...

SCHAFFE MIR RECHT!

Bild
  Predigt am Volkstrauertag, am 13. November 2022 in der Martinskirche in Tübingen Aus Lukasevangelium 18, 1-8 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis davon, dass man allezeit be-ten und nicht nachlassen sollte, und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt, der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich vor keinem Menschen. Es war aber eine Witwe in dersel-ben Stadt, die kam immer wieder zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen meinen Widersacher! Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott nicht fürchte, noch vor keinem Menschen scheue, will ich doch dieser Witwe, weil sie mir so viel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage. Da sprach der Herr: Hört, was der unge-rechte Richter sagt! Sollte aber Gott nicht Recht schaffen sei-nen Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte er bei ihnen lange warten? Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen in Kürze. Doch wenn der Mens...

Kinder, wir singen!

Bild
Kinder, wir singen!  So hieß es in der Familie meiner Mutter. Jeden Morgen und häufig auch jeden Abend sammelte der Großvater die Familie am Esstisch, sie waren zwei Brüder und eine Schwester -meine Mama  - und dann wurde gesungen, Bibel gelesen und gebetet. So begann der Tag und so ging er auch wieder zu Ende. Mit einer Andacht. Mein Großvater war ein sehr frommer Mensch. Er war ein Unternehmer und ehrenamtlich sehr in der Gemeinde aktiv. Er war KGR Vorsitzender, Prädikant, leitete Bibelstunden und machte allerlei Besuche. Und bei der religiösen Erziehung der Kinder war er konsequent.  Kinder, wir singen! Ob man wollte oder nicht. Als ich meine Mama fragte, wie sie das als Kind fand, sagte: Naja, wir haben uns daran gewöhnt. Sie hat sich daran gewöhnt. Es wurde zum festen Ritual in der Familie und auch in ihrem Leben. Einen Teil dieser Tradition hat meine Mutter in ihre eigene Familie übernommen. Manchmal fand ich es nervig, morgens vor der Schule noch zu beten und in de...

DANKBAR

Bild
Heute ist es genau ein Jahr her, seit ich aus der Tübinger Uni-Klinik nach einer komplizierten und nicht ungefährlichen Operation entlassen wurde. Siebeneinhalb, statt der geplanten vier Stunden, lag ich auf dem OP-Tisch, 45 Knoten wurden mir im Gesicht, am Hals, an der Ohrspeicheldrüse, hinter und vor dem Ohr herausoperiert. „So etwas ist mir in meiner jahrzehntelangen Praxis noch nicht untergekommen“, sagte der Oberarzt, als er abends zu mir ins Zimmer kam, um mich zu informieren, dass die Knoten mit hoher Wahrscheinlichkeit alle gutartig seien. Eine bewundernswerte Präzisionsarbeit, die er da leistete. Ich sah trotzdem schrecklich aus. Meine rechte Gesichtshälfte war geschwollen, blau und gelähmt. Nichts hat funktioniert. Das Auge konnte ich nicht schließen, die Backe nicht aufblasen und auch nicht lachen – nur schief- alles fühlte sich taub an. Das Essen fiel mir aus dem Mund, trinken ging nur mit einer Schnabeltasse. „Ein Jahr müssen Sie mit einer Rückbildung rechnen“, sagten di...

Alles hat seine Zeit

Bild
Wir sind angekommen. Das Haus steht da. Weiß leuchtet es in der Abendsonne. Es trägt die Nummer 52 und den Namen LiLeTá – Libusin letní tábor (Libuse´s Sommerlager). Gebaut im Jahr 1938 von unserem Großvater. Libuse, seine Schwägerin, lebte hier bis zu ihrem Tod. Alleinstehend und  gesellig. Sie öffnete ihre Türen für unterschiedliche Menschen, vermietete ihre Zimmer und betrieb einen kleinen Kiosk im Hinterhof. Sie schwamm im See bis ins hohe Alter. Vom Frühjahr bis zum Herbst. Die Stimmung ist magisch. Ruhig. Meine Erinnerungen reichen bis ins jüngste Alter und mischen sich mit den Erzählungen meiner Mutter. Sie erzählt, wie sie mich morgens um 5 Uhr im Kinderwagen um den See schob. Weil ich eine Lerche bin und ich im Haus sonst alle aufgeweckt hätte. Im Lädchen oben im Dorf kaufte sie für mich „rohliky“ – Hörnchen. Auf dem Rückweg badete sie mich im See. Und ich schrie, weil ich nicht wieder raus wollte. Zu Hause angekommen schob sie den Kinderwagen in den Garten, wo ich im Scha...

Den Glauben online leben

Bild
„ Corona hat der Digitalisierung einen  Schub gegeben.“ Das ist wohl der meistzitierte Satz zu Digitalisierung der vergangenen Jahre. Ich bin seit Jahren im digitalen Raum unterwegs und nehme auch in der Kirche diese Entwicklung wahr. PC im Pfarramt, Outlook oder digitales Archiv sind nicht mehr neu. Die Verwaltungsprozesse wurden weitgehend digitalisiert. Doch immer noch herrscht da und dort Skepsis. Ein Kollege hatte jahrelang seine Mails von der landeskirchlichen Adresse  elkw.de  auf eine andere umleiten lassen. Seine irrige Befürchtung: Der Oberkirchenrat könne andernfalls mitlesen. Aus der Sinnfrage „Wozu braucht man das?“ wurde eine Zeitfrage: „Wann soll ich das auch noch machen?“ Wie wichtig die digitale Technik und eine gute technische Ausstattung sind, ist gerade in den letzten zwei Jahren auch den analogsten Menschen klar geworden. Onlinesitzungen und hybride Synoden waren mit einem PC (mit Kamera und Mikrofon) und einem schnellen WLAN kein Problem mehr. Am Anf...

Jetzt ist die Zeit der Gnade

Bild
Alles war so schön. Im Garten Eden. Überall Früchte und schattige Bäume, die vor der Hitze des Tages schützen. Frische Quellen, die den Schweiß des Tages abwaschen und den Durst löschen. Lamm und Wolf spielen zusammen, niemand bekriegt sich. Adam und Eva im Paradies. Alles war so schön. Der Urlaub in Hamburg. Sonne und die glänzende Elbphilharmonie. Die Schiffe fahren ganz friedlich in den Hafen hinein. Gutes Essen in einem feinen Restaurant. Was für Privileg, fast wie im Paradies.  Es erfüllt mich eine große Dankbarkeit für dieses wundervolle Leben in Freiheit und Frieden. Es ist alles da, alles im Überfluss. So ganz selbstverständlich. Jeden Morgen, jeden Abend und an jedem neuen Tag.   Was für ein Segen, was für eine Gnade. Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Gemeinde im Korinth: „Als Mitarbeiter Gottes bitten wir euch: Sorgt dafür, dass die Gnade Gottes, die ihr empfangen habt, nicht ohne Wirkung bleibt. Denn Gott spricht: Zu der Zeit, als ich dir Gnade sche...