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ADVENT 2023

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Das Wort "Advent" leitet sich vom lateinischen "Adventus" ab und heißt "Ankunft". Für die Christen ist der Advent die Zeit der Erwartung, die Vorbereitungszeit auf die Ankunft Christi, dessen "Geburtstag" in der Weihnachtsnacht gefeiert wird, so der Wikipediaeintrag zum Advent. Advent ist bei mir von Kindesbeinen an verbunden mit Vorfreude, mit Plätzchenduft, mit Ungeduld und Liedern. Ich erinnere mich an den Tannenbaum, der morgens plötzlich geschmückt im Wohnzimmer stand. Ich höre in meinem Kopf die Lieder, die wir als Kinder gesungen haben und die Texte aus dem Krippenspiel. Dann kamen die eigenen Kinder und die Gestaltung der Adventskalender und die Geschenksuche und das Warten auf das Christkind.   Im Pfarramt kamen dazu die eng getakteten Termine von Adventsfeiern, Weihnachtsmärkten, Andachten und Gottesdiensten und das Warten auf den anschließenden Urlaub. In diesem Jahr war alles anders. Mein Advent begann am 27. Oktober, als meine Mu...

Warum ich Deutsche geworden bin

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Vor 32 Jahren bin ich mit dem Bus von Prag nach Stuttgart gefahren. Mit einem OneWay Ticket. Ich machte dies und ich machte das. Studieren, Arbeiten, Kinder großziehen. Und irgendwann stellte sich die Frage nach der deutschen Staatsbürgerschaft. Nicht, dass ich sie bräuchte, aber ich wollte wählen dürfen. Alles andere war mir als Bürgerin eines EU-Mitgliedstaates möglich. Im Jahr 2016 durchlief ich das ganze Prozedere - mit Sprachtest und allen Gebühren - und dann hielt ich den deutschen Pass in den Händen. Es wurde gefeiert. Mit dem Landrat, der Ministerialrätin und anderen Eingebürgerten. Ich durfte eine Rede halten. Sie ist 7 Jahre alt, die Situation war anders, trotzdem würde ich (fast) alles wieder so sagen: Sehr geehrter Herr Landrat Wolff, sehr geehrte Frau Ministerialrätin Hüfner, liebe Gäste, herzlichen Dank für die Einladung und auch die Möglichkeit hier ein paar Worte zu sagen zu meiner persönlichen Entscheidung, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen. Es ist schon...

Der Engel unter dem Ginsterstrauch

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  Da liegt er, unter dem Ginsterstrauch. Gut, dass dieser gerade so ausladend ist und blüht, so spendet er ihm wenigstens ordentlich Schatten. Er scheint etwas zu träumen. Er zittert und schwitzt am ganzen Körper. Er muss doch jetzt was trinken. Ich berühre ihn vorsichtig. Aber er bewegt sich nicht. „Elia, hey. Hörst du mich“. Er reagiert nicht. Das muss ihn alles sehr mitgenommen haben. Kein Wunder. Sie haben ihm auch böse mitgespielt – Isebel, die Ehefrau von König Ahab hat es auf ihn abgesehen und ihn mit dem Tod bedroht. Weil er auf Gott hörte und die Fake News  und Verschwörungsmärchen aufdeckte. Und all die prophetischen Verschwörer tötete. Jetzt will sich Isebel rächen. Kein Wunder, dass Elia fix und alle ist. Ich soll ihn wieder aufpäppeln. Ein Fladenbrot und frisches Wasser lege ich ihm hin. Fürs erste zumindest. „Elia, wach auf! Hörst du?“  Ich berühre ihn nochmal an seinem Arm. Langsam öffnet er die Augen. Sie sind müde. Er blinzelt. Die Sonne blendet ihn. Dann...

Maria Magdalena und ich

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 Es ist verrückt - alles! Fangen wir mal damit an, dass ich heute da bin. Kurzfristig angefragt, kurzfristig zugesagt. Zwischen Tür und Angel, quasi auf dem Weg von Leipzig nach Tübingen. So ist es manchmal im Leben, dass man ver-rückt wird – von da nach dort – oder verrücktes tut. Weil es gerade dran ist. Würde ich Gabi heißen, wäre ich heute nicht da. Würde es bei diesem Frauenmahl um die Heilige Katharina gehen, wäre ich auch nicht da. Aber es geht um Maria Magdalena. Also fühle ich mich meiner Namensschwester verpflichtet. Und bin da. Und denke darüber nach, was Maria Magdalena mit mir gemeinsam hat. Oder ich mit ihr. Außer dem Namen. Also ohne Maria. Das fand meine Mutter zu katholisch. Meine Eltern nannten mich nur Magdalena. Obwohl ich aus einer Pfarrersfamilie komme, waren die Gründe ganz profan. Die beste Freundin meiner Mutter heißt so. Ob sich mein Pfarrer-Vater etwas Theologisches dabei dachte, kann ich ihn nicht mehr fragen. Es ist vor 5 Jahren gestorben. Und es ...

Prager Frühling im Sommer

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  "Was sind deine Erinnerungen an den 21. August", fragte ich heute morgen am Telefon meine 83-jährige Mutter. Sie schwieg eine Weile und dann sagte sie: "Die Genossen in der Fabrik, in der ich arbeitete, jubelten. Endlich würde alles wieder normal werden." Mit "normal" meinten sie das totalitäre, diktatorische System, in dem sie sich gut eingerichtet und von dem sie sehr gut profitiert haben.  Meine Eltern lebten im August 1968 im Osten des Landes und auf Grund von nicht vorhandenen freien Medien bekamen sie erst mit Verzögerung mit, was in Prag eigentlich passierte. Das Radio "Freies Europa" wurde gestört, die Informationen waren unvollständig.  Und in Prag ging es sehr schnell. In den Morgenstunden kamen die ersten Panzer des Warschauer Pakts unter dem Deckmantel einer brüderlicher Hilfe. Doch es war kein Akt der Nächstenliebe, sondern eine Okkupation  eines Landes, das angefangen hat nach Freiheit und Demokratie zu greifen. Es wurde geschosse...

Wurde ich als Christin verfolgt, unterdrückt oder "nur" eingeschränkt?

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Ich bin hinter dem Eisernen Vorhang großgeworden. In einer Diktatur. Als Pfarrerstochter. Manchmal überlege ich – wurden wir als Christinnen und Christen verfolgt? Oder „nur“ unterdrückt? Oder gemobbt? Und wenn ja, wie viele „von uns“ waren wirklich betroffen? War der Glaube der Grund dafür oder spielten auch andere Gründe eine Rolle? Wenn ich auf meine Jugend – also die 70er und 80er Jahre - in der Tschechoslowakei zurückblicke, merke ich, dass das Thema viel komplizierter ist, als es auf den ersten Blick aussieht. In meinem Umfeld gab es Menschen, die politisch unauffällig waren und vielleicht deshalb als Christinnen und Christen kein Problem hatten. Es gab politisch aktive Menschen, deren Christsein in Frage gestellt wurde. Manche Kinder durften nicht studieren, andere schon. Die einen mussten das Land verlassen, die anderen durften bleiben. Es gab Pfarrpersonen, deren die sog. „Staatserlaubnis zur Ausübung des Pfarrdienstes“ entzogen wurde und sie ihr Geld als Fensterputzer oder Ko...

Pfingsten - Demut und Liebe. Und Heiliger Geist!

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Demut und Liebe sind das wichtigste im Leben, sagte Pater Romanos. Denn ohne Liebe ist alles nichts. Es war vor ziemlich genau fünf Jahren. Mit einem Frauenkreis machten wir in meiner alten Gemeinde eine Reise nach Korfu. Und dort hatten wir eine außergewöhnliche Begegnung, die bei mir bis heute nachklingt. Wir waren 15 Frauen von der Schwäbischen Alb und trafen zwei griechisch- orthodoxe Mönche zu einem Mittagessen in einer Taverna. Wir waren Menschen verschiedener Konfessionen, verschiedener Lebensentwürfe, verschiedener Sprachen und doch war diese Begegnung in einem Geist, der kaum in Worte zu fassen, kaum zu beschreiben ist.  Pater Romanos, ein 75-jähriger Theologe erzählte über sein Leben. Sehr beeinflusst hat ihn der reformorientierte Patriarch Bartholomäos, das aktuelle Oberhaupt der griechisch-orthodoxen Kirche. Zehn Jahre verbrachte er auf dem Berg Athos, bevor er vor über 30 Jahren in das Bergkloster auf Korfu zog. Sein Begleiter und Glaubensbruder Pater Anastasios, der e...